Lots und FIFO verstehen: Bestände, Teilverkäufe und Historie
Warum SWINGr deine Positionen als Lots führt, wie FIFO Teilverkäufe dem richtigen Kauf zuordnet und wie du die Status-Historie eines Lots liest.
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Ein Lot ist ein einzelner Kauf mit eigenem Einstand und eigener Geschichte. Wer dieselbe Aktie dreimal kauft, hat drei Lots, nicht eine Position mit Durchschnittskurs. Diese Trennung ist der Grund, warum SWINGr dir sagen kann, welcher Teil deines Bestands im Gewinn liegt und welcher nicht, und welche Stücke bei einem Teilverkauf tatsächlich verkauft werden.
- Ein Kauf, ein Lot: jeder Einstand bleibt einzeln nachvollziehbar.
- FIFO automatisch: Verkäufe treffen die ältesten Stücke zuerst.
- Eigener Status je Lot: von offen bis geschlossen, mit Historie.
Warum nicht einfach ein Durchschnittskurs?
Ein Durchschnittskurs verwischt genau die Information, die du beim Verkaufen brauchst. Angenommen, du hast dieselbe Aktie bei 40 €, bei 55 € und bei 48 € gekauft. Der Durchschnitt liegt bei etwa 48 €, und sagt dir nichts darüber, dass ein Drittel deines Bestands deutlich im Plus und ein Drittel im Minus steht.
Verkaufst du jetzt ein Drittel, ist die Frage nicht akademisch: Welche Stücke gehen raus? Davon hängt ab, welcher Gewinn realisiert wird und wie dein restlicher Bestand aussteht. Genau das beantwortet die Führung in Lots. Ausführlicher steht das im Artikel Was ist ein Lot.
Wie FIFO zuordnet
FIFO heißt first in, first out: Beim Verkauf gehen die ältesten Stücke zuerst. Verkaufst du im Beispiel oben ein Drittel, betrifft das den Kauf zu 40 €, nicht den teuersten und nicht den jüngsten.
SWINGr macht diese Zuordnung selbst. Du gibst nur an, dass du verkauft hast; die App verteilt die Stücke über deine Lots. Bei jeder Änderung an einem ausgeführten Trade wird die Zuordnung neu gerechnet, damit die Kette geschlossen bleibt.
Das ist keine willkürliche Wahl: FIFO ist in Deutschland die steuerlich maßgebliche Methode für Wertpapierverkäufe. Deine Auswertung folgt damit derselben Logik wie die Abrechnung deines Brokers. Hintergründe im Artikel FIFO bei Aktien.
- Automatisch: kein manuelles Zuordnen von Verkäufen.
- Deckungsgleich mit dem Broker: dieselbe Reihenfolge wie in deiner Abrechnung.
- Nachvollziehbar: jede Zuordnung bleibt am Lot sichtbar.
Die Lots-Übersicht lesen
Unter Lots liegen alle deine Bestände. Die Kopfzeile zählt, wie viele offen und wie viele geschlossen sind. Je Lot siehst du:
| Spalte | Bedeutung |
|---|---|
| Aktientitel | Das Wertpapier. |
| Status | Wo das Lot im Lebenszyklus steht. |
| Anzahl | Noch offene Stücke aus diesem Kauf. |
| Offene Order | Ob eine Verkaufsorder für dieses Lot vorliegt. |
| Einstiegskurs | Dein Einstand für dieses konkrete Lot. |
| Gesamtposition | Wert der noch offenen Stücke. |
| Eröffnet / Geschlossen | Datum des Kaufs und des vollständigen Verkaufs. |
| Haltedauer | Wie lange das Lot bereits läuft. |
Die Haltedauer je Lot ist im Swing-Trading praktisch: Sie zeigt dir, welche Position länger liegt als geplant, ein Hinweis, dass die ursprüngliche These vielleicht nicht mehr trägt.

Warum manche Lots keinen erwarteten Gewinn zeigen
In der Spalte Erwartet steht bei einigen Positionen kein Betrag, sondern Fugazi. Das ist kein Fehler, sondern eine Aussage: Für dieses Lot liegt keine Take-Profit-Order vor.
Der Zusammenhang ist einfach. Ein erwarteter Gewinn lässt sich nur ausrechnen, wenn ein Ziel existiert. Ohne gesetzten Take-Profit gibt es keinen Zielkurs, also auch keinen Betrag, den SWINGr seriös anzeigen könnte. Statt einer Null oder eines Strichs steht dort ein Wort, das man nicht überliest.
- Fugazi: kein Take-Profit gesetzt, die Position läuft ohne Ziel.
- Betrag: Take-Profit liegt vor, angezeigt wird der Gewinn, den dieses Lot bei Erreichen des Ziels einbringt.
Praktisch ist das ein Arbeitsvorrat: Jedes Lot mit Fugazi ist eine Position, für die du noch entscheiden musst, wo du aussteigst. Wie viele das insgesamt sind, zeigt die Kachel Orders aktiv mit der Unterzeile „N ohne Plan“, und wie du sie abarbeitest, steht im Guide Ungesicherte Positionen.
Der Status eines Lots
Während ein Trade nur vier Zustände kennt, führt ein Lot einen eigenen Lebenszyklus, er beschreibt, wie weit deine Absicherung und deine Gewinnmitnahme gediehen sind:
| Status | Bedeutung |
|---|---|
| TP offen | Position läuft, es ist kein Take-Profit gesetzt. |
| TP gesetzt | Eine TP1-Verkaufsorder liegt vor. |
| TP ausgelöst | TP1 wurde erreicht, ein Teil ist realisiert. |
| TP2 offen | Nach TP1 wartet der Rest auf das zweite Ziel. |
| SL gesetzt | Ein Stop-Loss sichert die Position ab. |
| geschlossen | Vollständig verkauft. |
| geschlossen TP2 | Über das zweite Kursziel geschlossen. |
| geschlossen SL | Über den Stop-Loss geschlossen. |
Der aussagekräftigste Zustand ist TP offen. Er heißt: Diese Position läuft ohne definiertes Ziel. Bei einer frisch gekauften Position ist das normal, bei einer, die seit Wochen läuft, ist es meist ein Versehen. Genau darauf zielt die Regel Max. ungeschützte Positionen in den Risiko-Regeln.
Dass die drei Endzustände unterschieden werden, zahlt sich beim Auswerten aus: geschlossen SL und geschlossen TP2 erzählen sehr verschiedene Geschichten über denselben Trade.
Der Block „Nächste Aktion“
Der Status ist nicht nur eine Beschriftung, aus ihm folgt der nächste Arbeitsschritt. Öffnest du ein offenes Lot, steht deshalb ganz oben der Block Nächste Aktion. Er ist nicht überall gleich bestückt: Angeboten werden genau die Schritte, die der aktuelle Status zulässt. Hervorgehoben ist der Schritt, der dem regulären Ablauf folgt.
| Lot-Status | Angebotene Schritte |
|---|---|
| TP offen | TP-Order gesetzt, Verkauf anlegen |
| TP gesetzt | TP1 ausgelöst, SL ausgelöst, Verkauf anlegen |
| TP ausgelöst | SL setzen, TP2 ausgelöst, TP2-Order anlegen |
| SL gesetzt | SL ausgelöst, TP2 ausgelöst |
Dazu gehören ein paar Regeln, die erklären, warum du manche Schaltfläche nicht siehst:
- Nur an offenen Lots. An einem geschlossenen Lot fehlt der Block ganz, es gibt dort nichts mehr zu tun.
- Lot schließen erscheint erst, wenn es möglich ist, also sobald keine Stücke mehr offen sind. Solange ein Rest liegt, bleibt der Schritt ausgeblendet.
- TP2 offen ist die Anzeige für ein Lot auf TP ausgelöst, für das bereits eine Verkaufsorder vorliegt. Im Aktionsblock verhält es sich wie TP ausgelöst.
Was ein Schritt auslöst, hängt an seiner Art. Reine Statuswechsel wie TP-Order gesetzt, SL setzen oder SL ausgelöst führen über einen Bestätigungsschritt mit optionaler Notiz; beim Übergang auf SL gesetzt ist das Kursfeld dabei bereits mit dem Vorschlag aus dem Regelwerk-Snapshot gefüllt, den du übernehmen oder überschreiben kannst. Die Schritte TP1 ausgelöst, TP2 ausgelöst und TP2-Order anlegen öffnen dagegen die Verkaufserfassung, vorbelegt mit Menge und Kurs aus den errechneten Zielen.

Die angebotenen Schritte beschreiben, was an diesem Bestand nach deinen eigenen Regeln noch offen ist. Sie sind keine Aussage darüber, ob ein Verkauf gerade sinnvoll ist, und keine Empfehlung: Ob und wann du einen Schritt gehst, entscheidest du.
Was SWINGr für ein Lot errechnet
Öffnest du ein Lot, steht unter den Kerndaten der Block Errechnete Ziele. Er führt zusammen, was aus deinem Strategie-Profil folgt und was tatsächlich passiert ist: TP1 als Vorgabe und als effektiver Wert, die Mengen, die verbleibende Rest-Menge, der Vorschlag für TP2 sowie der Stop-Loss nach TP1. Ist TP1 bereits gelaufen, steht daneben der tatsächliche Ausführungskurs.
Darunter rechnet die Lot-Analyse zwei Szenarien durch: das konservative, bei dem der Rest über den Stop-Loss geht, und das optimistische, bei dem er TP2 erreicht. Beide Beträge verstehen sich ohne Gebühren und Steuern.
- Vorgabe gegen Wirklichkeit: du siehst, ob der Trade dem Profil gefolgt ist.
- Zwei Szenarien: die Spanne zwischen Absicherung und vollem Ziel.

Status-Historie eines Lots
Ein Klick auf Aktientitel oder Status öffnet die Detailansicht. Darin findest du neben Einstand und Zahlen die Status-Historie, jeden Zustandswechsel mit Zeitpunkt.
Aufgezeichnet werden unter anderem das Setzen eines Take-Profits, das Setzen und Auslösen eines Stop-Loss, jeder Statuswechsel und das Schließen des Lots. Auch Rücknahmen erscheinen hier: Stornierst du die letzte offene TP1-Order eines Lots, fällt es auf TP offen zurück, und dieser Schritt wird mit Grund vermerkt.
Die Historie ist damit die Antwort auf „Warum steht dieses Lot so da?“, ohne dass du dich erinnern musst.

Lots und Trades: wie sie zusammenhängen
Beides gehört zusammen, beschreibt aber verschiedene Phasen:
- Ein Trade ist der Vorgang: geplant, ausstehend, ausgeführt. Er endet mit der Ausführung.
- Ein Lot ist das Ergebnis: der Bestand, der daraus entstanden ist. Er beginnt mit der Ausführung.
Jeder ausgeführte Kauf erzeugt genau ein Lot. Verkäufe erzeugen kein neues Lot, sondern verringern bestehende, nach FIFO. Den Weg davor beschreibt der Guide Trade anlegen und führen.
Importierte Trades verhalten sich genauso: Aus jedem ausgeführten Kauf entsteht ein Lot, Verkäufe werden zugeordnet. Nach einem Import lohnt daher der Blick auf die Lots-Liste. Dort siehst du, wie viele Positionen ohne Take-Profit angekommen sind. Mehr dazu im Guide Trades importieren.
Wenn Bestände oder Zuordnungen nicht stimmen
Lots und FIFO-Zuordnungen sind abgeleitete Daten. SWINGr rechnet sie aus deinen ausgeführten Trades aus, sie stehen nirgends für sich. Legst du einen Trade an oder änderst du einen ausgeführten, läuft diese Rechnung von selbst noch einmal.
Eine Lücke bleibt: Löschst du einen ausgeführten Trade, rechnet SWINGr nicht nach. Die App sagt dir das auch, und der Hinweis ist ernst gemeint. Bis du den Neuaufbau angestoßen hast, sind Bestand und Auswertung falsch.
Daran erkennst du, dass die abgeleiteten Daten nicht mehr passen:
- Ein Lot zeigt offene Stücke, obwohl du alles verkauft hast, oder es steht auf geschlossen, obwohl ein Rest übrig ist.
- Der Depotwert passt nicht. Er ist die Summe aus offener Stückzahl mal Einstand über alle nicht geschlossenen Lots. Stimmt die offene Stückzahl nicht, stimmt der Depotwert ebenso wenig.
- Ein Verkauf taucht an keinem Lot auf, obwohl er in der Handelshistorie steht.
Der vollständige Neuaufbau
Unter Einstellungen → Daten liegt im Abschnitt Datenverwaltung der Vollständige Rebuild mit dem Knopf Lots & Allokationen neu aufbauen. Er wirft die abgeleiteten Daten weg und bildet sie noch einmal aus deinen Trades:
- Aus jedem ausgeführten Kauf entsteht ein Lot, mit Einstand und Kaufdatum aus dem Trade.
- Jeder ausgeführte Verkauf wird nach FIFO auf die offenen Lots desselben Wertpapiers verteilt, ältester Kauf zuerst.
- Offene Stückzahl, Status und Summen ergeben sich daraus neu.
Während der Neuaufbau läuft, legt sich ein Vollbild über die App. Du kannst in dieser Zeit nichts anderes tun, das ist Absicht.
Deine Trades bleiben unverändert, der Neuaufbau liest sie nur. Geplante und ausstehende Trades bleiben außen vor, sie wirken sich erst mit der Ausführung auf einen Bestand aus. Die Zahl deiner Lots ändert sich nicht: Ein Lot hängt an seinem Kauf, und Käufe kommen dabei weder dazu noch weg. Neu verteilt wird nur, welcher Verkauf welches Lot trifft.
Drei Dinge überlebt der Neuaufbau bewusst:
- Deine Korrekturen. Hast du einen Verkauf von Hand einem anderen Lot zugewiesen, bleibt das stehen. Neu gerechnet werden nur die automatisch gebildeten Zuordnungen.
- Die Status-Historie. Sie wird nicht neu erzeugt, du verlierst also keinen Verlauf. Ändert der Neuaufbau den Status eines Lots, kommt dafür ein Eintrag hinzu, sichtbar wie jeder andere Zustandswechsel.
- Geschlossene Lots. Sie werden nicht neu bewertet. Ein Lot, das trotz geschlossenem Status noch offene Stücke hat, öffnet der Neuaufbau dagegen wieder.
Der letzte Punkt ist die wichtigste Grenze: Der Neuaufbau repariert die Zuordnung, er bewertet abgeschlossene Positionen aber nicht rückwirkend neu. Was einmal als geschlossen SL oder geschlossen TP2 gebucht ist, bleibt so stehen.
Eine Ausnahme von „Trades bleiben unverändert“ gibt es: Ein ausgeführter Kauf ohne Einstandspreis kann kein Lot bilden. SWINGr entfernt ihn und nennt dir die Zahl der betroffenen Positionen mit der Bitte, den Preis beim Import nachzulegen.
Wenn der Neuaufbau Hinweise meldet
Nach dem Lauf zeigt SWINGr an, wo die Rechnung nicht aufgegangen ist. Der häufigste Hinweis besagt, dass für einen Verkauf nicht genug offene Lots vorhanden waren. Das ist selten ein Rechenfehler. Meist fehlt der zugehörige Kauf, er steht in einem anderen Depot, oder das Wertpapier ist zweimal angelegt, sodass Kauf und Verkauf an verschiedenen Einträgen hängen. Wie du das erkennst und behebst, steht im Guide Trades importieren.