Risiko-Regeln einrichten: Presets nutzen oder eigene Grenzwerte setzen
Wie du mit Risiko-Presets Leitplanken für dein Portfolio setzt, welche fünf Regeln SWINGr prüft und wie du eigene Grenzwerte definierst, wenn keines der Presets zu deinem Stil passt.
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Risiko-Regeln sind Leitplanken für dein gesamtes Portfolio. Sie beantworten nicht die Frage, wie groß ein einzelner Trade sein soll, sondern ob dein Portfolio als Ganzes noch im Rahmen liegt: Ist eine Position zu dominant geworden? Hängt zu viel an einem Sektor? Laufen zu viele Positionen ohne Absicherung? SWINGr prüft das gegen ein Regelwerk, das du selbst wählst.
- Vier fertige Presets: von konservativ bis spekulativ, plus ein Profil für längerfristige Anleger.
- Eigene Grenzwerte möglich: wenn keines der Presets passt, setzt du die Schwellen selbst.
- Fünf Regeln: Positionsgröße, Anzahl Lots, Diversifikation, Sektor-Konzentration und Absicherung.
Wichtig zu wissen: Wann die Regeln greifen
Die Risiko-Regeln sind eine Prüfung deines Bestands, kein Wächter beim Anlegen. Sie werden auf der Seite Portfolio Risk gegen deine tatsächlichen offenen Lots ausgewertet. SWINGr blockiert also keinen Trade, weil er eine Grenze sprengen würde, es zeigt dir hinterher, dass die Grenze überschritten ist.
Die Portfolio-Risk-Analyse gehört zu SWINGr Pro. Die Regel-Presets kannst du unabhängig davon in den Einstellungen ansehen und wählen.
Das ist bewusst so: Die Entscheidung bleibt bei dir, die Kontrolle bekommst du als klares Signal. Was das für die Größe eines einzelnen Trades bedeutet, behandelt der Artikel Positionsgröße berechnen. Dort geht es um Risiko pro Trade, also um Stop-Loss-Abstand und Risikobudget, während es hier um die Verteilung über das gesamte Depot geht.
Die fünf Regeln
Jedes Preset besteht aus denselben fünf Regeln, nur die Grenzwerte unterscheiden sich:
| Regel | Was geprüft wird |
|---|---|
| Max. Einzelposition | Anteil des größten Lots am Portfolio, gemessen an der Kostenbasis. |
| Max. offene Lots | Wie viele Lots gleichzeitig offen sind. |
| Min. Instrumente | Wie viele verschiedene Wertpapiere du hältst. |
| Max. Sektor-Anteil | Anteil des größten Sektors am Portfolio. |
| Max. ungeschützte Positionen | Anteil der Lots ohne gesetzten Take-Profit. |
Jede Regel hat eine Schwere. Eine als Fehler eingestufte Verletzung nimmt dir das grüne Licht; eine Warnung meldet sich, blockiert aber nicht. In den strengeren Presets sind mehr Regeln als Fehler eingestuft.
Die Sektor-Regel braucht Sektordaten zu deinen Instrumenten. Fehlen sie, kann diese Regel nicht bewertet werden, die übrigen vier greifen trotzdem.

Das Regel-Barometer: der Status auf einen Blick
Ganz oben auf der Seite Portfolio Risk steht eine Reihe aus vier Kennzahlen: offene Lots, investiertes Kapital, größte Position und Regel Barometer. Die letzte Kachel fasst die Auswertung aller fünf Regeln zu einem einzigen Wort zusammen.
| Anzeige | Was dahintersteht |
|---|---|
| Kritisch | Mindestens eine Regel ist als Fehler verletzt. Darunter steht die Zahl der Regelverstöße. |
| Erhöht | Kein Fehler, aber mindestens eine Warnung. Darunter steht die Zahl der Warnungen. |
| Im Rahmen | Weder Fehler noch Warnung. Darunter steht ein Zähler wie „5/5 Regeln eingehalten“. |
| Keine Regeln | Das aktive Regelwerk enthält keine einzige Regel, es gibt nichts zu prüfen. |
Der eigentliche Nutzen steckt in „Erhöht“. Eine Warnung entsteht nicht erst, wenn du eine Grenze reißt, sondern schon bei 85 Prozent des Grenzwerts. Ein Beispiel: Bei einer Obergrenze von 20 Prozent je Einzelposition meldet sich die Kachel ab 17 Prozent, obwohl formal noch alles eingehalten ist. Das ist die Information, die dir die reine Ja-Nein-Ansicht nicht gibt. Du siehst, dass du auf eine Grenze zuläufst, bevor du sie überschreitest. Für Min. Instrumente gilt diese Annäherungswarnung nicht, diese Regel meldet sich erst, wenn du unter die geforderte Zahl fällst.
Auch der Zähler bei „Im Rahmen“ trägt eine Information, die leicht übersehen wird. Er zählt nur die Regeln, die tatsächlich bewertet werden konnten. Steht dort „4/5“, ohne dass eine Regel verletzt ist, fehlten einer Regel schlicht die Daten, in aller Regel der Sektor-Regel.
Was folgt daraus für dich? Das Barometer bewertet dein Depot, es empfiehlt keinen Kauf und keinen Verkauf. Springt die Kachel auf „Erhöht“ oder „Kritisch“, ist der nächste Schritt der Blick auf die Regelkarten darunter. Dort steht, welche Regel wackelt und mit welchem aktuellen Wert. Ob du daraufhin eine Position verkleinerst, einen fehlenden Take-Profit nachträgst, die Grenze bewusst anders setzt oder gar nichts tust, bleibt deine Entscheidung.
Was das Barometer nicht sagt
Es misst deine Regeln, nicht dein Risiko. „Im Rahmen“ bedeutet, dass die von dir gewählten Schwellwerte im Moment der Auswertung nicht überschritten sind, nicht mehr. Die Wörter „risikofrei“ und „sicher“ wirst du an dieser Kachel bewusst nirgends finden. Alles, was nicht in den fünf Regeln steht, bleibt unbewertet: Kurs- und Marktbewegungen, Liquidität, Währung, Steuern. Konzentration fließt nur so weit ein, wie die Regeln zu Einzelposition und Sektor-Anteil reichen. Ein Totalverlust einzelner Positionen ist in jedem Status möglich.
Die Kachel selbst ist der Weg dorthin: Ein Klick darauf öffnet den vollständigen Hinweis unter Einstellungen → Rechtliches. Das ist Absicht. Ein Hinweis, den man in einem Tooltip übersehen kann, wäre keiner.
Die vier Presets im Vergleich
| Konservativ | Standard | Spekulativ | Mid-/Long-Term | |
|---|---|---|---|---|
| Max. Einzelposition | 12 % | 20 % | 35 % | 25 % |
| Max. offene Lots | 8 | 15 | 10 | 25 |
| Min. Instrumente | 4 | 3 | 2 | 5 |
| Max. Sektor-Anteil | 25 % | 35 % | 60 % | 40 % |
| Max. ungeschützt | 30 % | 50 % | 80 % | 70 % |
Standard ist die Voreinstellung und für aktives Swing-Trading ausgelegt: ausgewogene Limits, bis zu 15 Lots.
Konservativ zieht die Grenzen enger, kleinere Einzelpositionen, mehr Streuung, und höchstens 30 Prozent des Portfolios dürfen ohne Take-Profit laufen. Einzelposition und Sektor-Anteil sind hier als Fehler eingestuft, nicht als Warnung.
Spekulativ erlaubt bewusste Konzentration: bis zu 35 Prozent in einer Position und 60 Prozent in einem Sektor. Auffällig ist die niedrige Lot-Grenze von 10, dieses Preset zielt auf wenige, größere Positionen, nicht auf viele kleine.
Mid-/Long-Term Investor passt zu längeren Haltedauern: viele Positionen, breite Sektorstreuung, und eine hohe Toleranz für Positionen ohne Take-Profit, bei langfristigen Beständen ist ein dauerhaft offenes Kursziel der Normalfall.
Preset wählen
Das aktive Preset stellst du unter Einstellungen → Strategie & Regeln im Abschnitt Risiko-Regeln ein. Dort siehst du zu jedem Preset die Beschreibung und die Liste aller Regeln mit Grenzwert und Schwere, bevor du es übernimmst.
Auf der Seite Portfolio Risk steht das aktive Preset in der Kopfzeile, und du kannst zwischen den Presets direkt umschalten, praktisch, um zu sehen, wie dein Portfolio unter einem strengeren Regelwerk abschneidet.

Eigene Grenzwerte setzen
Passt kein Preset, wählst du Custom. Damit definierst du alle fünf Schwellen selbst. Als Ausgangspunkt übernimmt SWINGr die Werte des Standard-Presets, die du dann einzeln anpasst:
- Max. Einzelposition, 1 bis 100 Prozent
- Max. offene Lots, 1 bis 100
- Min. Instrumente, 1 bis 50
- Max. Sektor-Anteil, 1 bis 100 Prozent
- Max. ungeschützte Positionen, 1 bis 100 Prozent
Die Regeln selbst bleiben dieselben, du verschiebst nur die Grenzen. Ein eigenes Regelwerk mit anderen Prüfungen lässt sich nicht anlegen; die fünf Regeln sind fest.
Zwei Dinge, die du dazu wissen solltest: Deine eigenen Grenzwerte werden lokal auf dem Gerät gespeichert, in dem du sie einstellst. Sie sind damit nicht Teil der geräteübergreifenden Synchronisation, auf einem zweiten Gerät musst du sie erneut setzen. Und die Schwere der Regeln übernimmst du aus dem Standard-Preset; welche Verletzung als Fehler und welche als Warnung gilt, lässt sich nicht separat einstellen.
Wie du sinnvolle Grenzen findest
Ein brauchbarer Einstieg ist, Standard ein paar Wochen laufen zu lassen und zu beobachten, wo dein Portfolio anschlägt. Die Verletzungen zeigen dir, ob du systematisch zu konzentriert unterwegs bist oder ob eine Grenze für deinen Stil einfach zu eng gesetzt ist.
- Reißt eine Regel immer: entweder dein Stil oder die Grenze passt nicht, beides ist eine bewusste Entscheidung, kein Zufall.
- Reißt nie eine Regel: dein Regelwerk ist zu locker, um dir etwas zu sagen.
- Ungeschützte Positionen im Blick: diese Regel ist im Alltag die nützlichste, weil sie vergessene Take-Profits sichtbar macht.
Grundlagen zur Risikoverteilung im Depot behandelt der Swing-Trading-Leitfaden, die Rolle von Absicherung der Artikel zu Stop-Loss.
Zusammenspiel mit Strategie-Profilen
Beides klingt ähnlich, tut aber Verschiedenes:
- Strategie-Profile bestimmen die Ziele eines einzelnen Trades, TP1, TP2, Stop-Loss. Du wählst sie beim Anlegen je Trade, siehe Trade anlegen und führen.
- Risiko-Regeln bewerten dein gesamtes Portfolio, Konzentration, Streuung, Absicherungsgrad.
Ein Strategie-Profil hilft dir, einen Trade sauber zu planen. Die Risiko-Regeln verhindern, dass viele einzeln sinnvolle Trades zusammen ein schiefes Depot ergeben. Details zu den Profilen im Guide Handelsstrategie-Profile.